1926 - 2026
100 Jahre DLRG Linden-Dahlhausen

Im Rahmen des 100 jährigen Bestehens der Ortsgruppe, werden wir die Chronik aufbereiten und Stück für Stück hier veröffentlichen. Seid gespannt und schaut regelmäßig vorbei.
Vorbemerkung:
Die Spuren der Anfänge der DLRG-Ortsgruppe Linden-Dahlhausen verlieren sich teilweise im Dunkel der Geschichte. Nicht alle Details sind überliefert, und nur wenige Dokumente haben die Jahrzehnte überdauert. In den ersten Jahren verfügte die junge Ortsgruppe noch über kein eigenes Vereinsheim, in dem Unterlagen sicher hätten aufbewahrt werden können. Hinzu kamen die Wirren des Zweiten Weltkriegs, durch die zahlreiche Aufzeichnungen unwiederbringlich verloren gingen.
Was jedoch bleibt, sind Erinnerungen, überlieferte Erzählungen und sorgfältige Recherchen in alten Zeitungsarchiven. Ergänzt durch von Mitgliedern zur Verfügung gestellte Fotografien und Dokumente anderer Vereine ergibt sich so das Bild einer lebendigen Gemeinschaft, die sich schon früh dem Dienst am Menschen und der Sicherheit im Wasser verschrieben hat. Insbesondere möchten wir hier auf folgende Chroniken verweisen:
- DLRG Landesverband Westfalen / DLRG Landesverband Rheinland aka. Nordrhein
- DLRG Bezirk Bochum
- Linden-Dahlhauser Wassersportverein aka Linden-Dahlhauser Schwimmverein (LDSV)
Hast Du auch noch geschichtliche Informationen, Bilder und/oder Geschichten zur Ortsgruppe? Wenn Du möchtest, kannst Du uns diese gerne per E-Mail senden.
1912 - 1925
Die Anfangsjahre der DLRG in Deutschland
Erst die eklatante Hilflosigkeit bei einem Unglück großen Ausmaßes – der Einsturz einer Landungsbrücke mit 17 Toten – machte der Öffentlichkeit klar, wie groß die Defizite der Bevölkerung beim Schwimmen und Retten waren. Hier musste etwas geschehen! Besonders bedrückend empfanden es viele Menschen, die das Unglück miterlebten, dass sie unfähig zur Hilfe waren, da sie weder selber schwimmen, noch retten, noch Wiederbelebungsversuche unternehmen konnten. Diese Ohnmacht prägte sich tief in das Bewusstsein der Öffentlichkeit ein.
Am 8. Juni 1913 wurde erstmals öffentlich zur Gründung einer Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft aufgerufen. Der Appell fand in der Bevölkerung großen Zuspruch – das Bewusstsein für Sicherheit im Wasser war längst gewachsen. Nur wenige Monate später, am 19. Oktober 1913, wurde die DLRG offiziell in Leipzig gegründet.
Doch der Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte der jungen Organisation schwer zu. Der Aufbau stagnierte, viele Mitglieder wurden eingezogen, und nach Kriegsende bestimmten wirtschaftliche Not und politische Unruhe das gesellschaftliche Leben. Die Menschen hatten andere Sorgen als den Ausbau des Schwimmunterrichts oder die Organisation der Wasserrettung. Die Inflation von 1922 führte schließlich zum tiefsten Punkt in der Geschichte der DLRG: Zahlreiche Strukturen lösten sich auf, vieles von dem, was hoffnungsvoll begonnen hatte, schien verloren.
Erst 1925 gelang ein Neuanfang. Mit tatkräftiger und finanzieller Unterstützung des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV) und des Deutschen Turnerbundes (DT) wurde der Wiederaufbau beschlossen. Überall im Land fanden sich engagierte Menschen zusammen, um die Idee des „Schwimmen- und Rettenlernens“ erneut aufleben zu lassen – der Grundstein für die bis heute andauernde Erfolgsgeschichte der DLRG.
1921 - 1926
Die Entwicklung im Bereich Linden-Dahlhausen
Die Ruhrwiesen in Bochum-Dahlhausen waren schon früh ein beliebter Treffpunkt für die Menschen aus Linden und Dahlhausen. Besonders in den Sommermonaten verbrachten viele Bürger ihre freie Zeit am Fluss, suchten Abkühlung im Wasser oder hielten sich zu Spaziergängen und geselligen Zusammenkünften in den Ruhrwiesen auf.
In früheren Zeiten war die Ruhr mit ihrer kräftigen Strömung, tückischen Untiefen und immer wieder auftretenden Strudeln eine oft unterschätzte Gefahrenquelle – gerade für die vielen Menschen, die nicht schwimmen konnten. Eine beaufsichtigte Badestelle gab es ebenso wenig wie eine systematische Ausbildung von Nichtschwimmern, und so waren Notfälle im Wasser und tragische Todesfälle durch Ertrinken immer wieder zu beklagen.
Nach mündlicher Überlieferung reifte unter diesen widrigen Verhältnissen bei engagierten, am Gemeinwohl orientierten Bürgerinnen und Bürgern in Linden und Dahlhausen der Entschluss, etwas zu verändern. Sie wollten den Menschen vor Ort eine fachgerechte Schwimmausbildung anbieten und den Schwimmsport überhaupt erst organisieren. Zugleich fassten sie den Plan, auch das Rudern – und später das Paddeln und den Kanusport – geordnet zu lehren und zu ermöglichen. Aus Erzählungen von Gründungsmitgliedern ist überliefert, dass die Lindener und Dahlhauser Wasserfreunde zudem ihren Nachbarn ruhrabwärts in Steele und Horst nicht nachstehen wollten, wo bereits 1911 und 1919 Schwimmvereine gegründet worden waren.
Nachdem 1921 die bis dahin selbstständigen, dem Kreis Hattingen angehörenden Gemeinden Linden und Dahlhausen zur neuen Großgemeinde „Linden-Dahlhausen a. d. Ruhr“ vereinigt worden waren, schien der Zeitpunkt günstig für einen organisierten Neuanfang auf dem Wasser. So kam es – wie überliefert ist – am 21. Mai 1921 zur Gründung des Linden-Dahlhauser Wassersportvereins durch eine Gruppe entschlossener Wassersportfreunde.
Die Gründer setzten von Beginn an klare Schwerpunkte: Eine systematische Schwimmausbildung sollte den Menschen Sicherheit im tiefen Wasser vermitteln, eine gewisse Ausdauer fördern und Techniken wie Startsprung und Wende trainieren. Hinzu kamen das Erlernen des tiefen und weiten Tauchens, die Aufklärung über flusstypische Gefahren, eine sichere Bootsführung sowie richtiges Verhalten bei Unfällen. Ein weiterer Kernpunkt war die Rettung von Verunglückten – einschließlich grundlegender Maßnahmen der Ersten Hilfe.
Ein eindrucksvolles Beispiel für diesen Rettungsgedanken ist die Tat des Bergmanns August Beyer. Am 12. Juli 1923 rettete er in Bochum-Dahlhausen unter Einsatz seines eigenen Lebens einen Menschen vor dem Ertrinken in der Ruhr. Für diese mutige Leistung wurde er am 1. März 1925 mit dem Silbernen Rettungsabzeichen der DLRG ausgezeichnet. Beyer gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Linden-Dahlhauser Wassersportvereins und trug später auch zum Aufbau der DLRG-Ortsgruppe Linden-Dahlhausen bei. Details dazu folgend in den späteren Abschnitten.
Am 15. Januar 1926 schließlich wandte sich ein Vorstandsmitglied des Linden-Dahlhauser Wassersportvereins mit einer formellen Anfrage an den Amtmann der Großgemeinde Linden-Dahlhausen, um die Gründung einer örtlichen DLRG-Ortsgruppe anzustoßen. Mit der Antwort vom 26. Januar 1926 erhielt der 1. Schriftführer des Linden-Dahlhauser Wassersportvereins, G. Stein, eine Übersicht aller Jugendvereine sowie das Verzeichnis der Mitglieder der Gemeindevertretung und der Schuldeputation von Linden-Dahlhausen. Diese Korrespondenz gilt als der erste konkrete Schritt zur Gründung der DLRG-Ortsgruppe Linden-Dahlhausen – und markiert damit den Beginn einer organisierten Wasserrettung vor Ort.
Dieser Abschnitt basiert u.a. auf Informationen aus der Chronik des LDSV zum 100-jährigen Bestehens im Jahr 2021, dem Linden-Dahlhauser Tageblatt und alten Aufzeichnungen aus privaten Besitz.
Februar 1926
Ein Schritt zur Gründung der Ortsgruppe Linden-Dahlhausen
Mit der vom Amtmann Linden-Dahlhausen übermittelten Liste der Jugendsportvereine lud der 1. Schriftführer des Linden-Dahlhauser Wassersportvereins zu einer Informationsveranstaltung zur Gründung einer Ortsgruppe Linden-Dahlhausen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft ein. Nachfolgend eine Abschrift des Zeitungsberichts aus jenen Tagen.
Abschrift aus dem Linden-Dahlhauser Tageblatt vom Dienstag, 16.02.1926
Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft e.V. - Landesverband Rheinland - Bezirk V
Zwecks Stellungnahme zu der Gründung einer Ortsgruppe des vorgenannten Verbandes für Linden-Dahlhausen hatten sich die Vertreter von ca. 20 Vereinen, der Ärzteschaft und der Schulen (2) am Mittwoch den 10. Februar, im "Westfälischen Hof" zusammengefunden. In Vertretung des Amtes war Herr Beigeordneter Kraus erschienen. Nach der Begrüßung der erschienenen Gäste durch Herr Stein vom Wasser-Sportverein trat man in das Arbeitsgebiet ein Zur Beantwortung mehrerer Anfragen gab Herr Stein einen kurzen Überblick über Zweck und Aufgabe des Lebensrettungs-Verbandes, sowie über die Bedeutung und Ziele der Ortsgruppen.
Der Gründungsgedanke und das Ziel gipfeln in dem Bestreben, das Leben unserer Mitmenschen mehr als noch bisher gegen den Ertinkungstode zu schützen. Erfahrungsgemäß ist die Zahl der durch Unglück oder verschuldetes leichtsinniges Treiben Ertrunkenen in jedem Jahre sehr hoch. Durch das Zusammendrängen von hinderten von Bade- und Schwimmlustigen ohne genügend Aufsicht, ferner durch Aussuchen von unbekannten, nicht freigegebenen Schwimmgelegenheiten, durch leichtsinniges Benehmen in Leihbooten, eigenen Paddelbooten oder an der Uferböschung müssen alljährlich hunderte blühender, junger Menschenkinder ihr Leben in den Fluten tückischer Gewässer hingeben.
Hier Abhilfe zu schaffen, ist das ideale Ziel der Lebensrettungsgesellschaft. Den Ortsgruppen erwächst hieraus als Hauptaufgabe die Verbreitung sachgemäßer Kenntnisse und Fertigkeiten im Retten Ertrinkender und deren Wiederbelebung. sowei die Pflege und die Vertiefung des Rettungsgedankens im allgmeinen. Zum Durchführen dieser Aufgaben sind als praktische Mittel vorgesehen:
- Fördern aller für das Rettungswerk wichtigen Gebiete;
- Verbreitung der Rettungsübungen in allen Einrichtungen des Rettungsdienstes;
- Bereitstellen aller Hilfsmittel in Wort, Schrift und Bild;
- Vorträge, Vorführungen, Lehrkurse, Prüfungen, usw.,
- Einrichten von Beratungs- und Pürfungsstellen
Nachdem die Anwesenden mit dem kulturell hochstehenden Werte der Einrichtung bekannt gemacht worden waren, zeigte sich nach kurzer Aussprache in der einstimmigen Abstimmung, daß alle Vertreter für die Gründung der Ortsgruppe eintraten. Die eigentliche Gründungsversammlung soll im Monat März erfolgen, nachdem es den Vertretern möglich war, für den Gedanken in den Vereinen zu werben und ausführlichen Bericht zu geben.
Auf der Gründungs-Versammlung wird ein Herr von dem Bezirksverbande in einem Vortrage Zweck, Aufbau und Aufgaben des Verbandes ausführlich behandeln. Um die Vorbereitungen zur Gründungs-Versammlung erledigen zu können, wurde ein vorbereitender Ausschuß gewählt. Nachdem Herr Stein noch bekannt gab, daß diejenigen Vereine, denen irrtümlich keine Einladung zugegangen ist, sich nicht fernhalten möchten, sondern daß es im Interesse des Verbandes wie auch im Allgemeininteresse liege, daß alle Kräfte erfaßt würden, schloß derselbe diese erste Versammlung mit einem Dankeswort an alle Vertreter für die uneigennützige, tatkräftige Mitwirkung.
9. März 1926
Gründungsversammlung
Es war ein Dienstag. Der 9. März 1926. Drei Tage zuvor, am Samstag dem 6. März, hatte das Linden-Dahlhauser Tageblatt die Einladung zur Gründungsversammlung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Ortsgruppe Linden-Dahlhausen, abgedruckt. Als Versammlungsort war das Lokal Mönnighoff an der Jägerstraße in Linden angegeben.
Was an diesem Abend geschah, lässt sich aus dem rekonstruieren, was die Wochen davor passiert war.
Der Weg dahin gebann bereits Anfang des Jahres. Schon am 15. Januar 1926 hatte sich ein Vorstandsmitglied des Linden-Dahlhauser Wassersportvereins schriftlich an den Amtmann der Gemeinde gewandt, um die Gründung einer DLRG-Ortsgruppe anzustoßen. Der Amtmann antwortete am 26. Januar und schickte eine Übersicht der Jugendvereine sowie das Verzeichnis der Gemeindevertretung mit. Dann, am 10. Februar 1926, hatte sich eine erste Informationsveranstaltung im „Westfälischen Hof" zusammengefunden. Rund 20 Vereine schickten Vertreter, dazu kamen Abgesandte der Ärzteschaft und der Schulen, sowie Herr Beigeordneter Kraus als Vertreter des Amtes. Herr Stein vom Linden-Dahlhauser Wassersportverein leitete die Versammlung. Am Ende stimmten alle Anwesenden einstimmig für die Gründung der Ortsgruppe.
Die Gründungsversammlung selbst, die für den 9. März im Lokal Mönnighoff einberufen worden war, war also der beschlossene nächste Schritt. Laut dem Bericht vom 10. Februar war vorgesehen, dass ein Vertreter des Bezirksverbandes einen Vortrag über Zweck, Aufbau und Aufgaben des Verbandes halten würde. Die Zeit zwischen Februar und März sollte genutzt werden, damit die Vereinsvertreter in ihren Vereinen für den Gründungsgedanken werben und Bericht erstatten konnten.
Vor diesem Hintergrund war der 9. März 1926 keine spontane Aktion, sondern das Ergebnis einer gut zwei Monate dauernden, konkreten Vorbereitung. Im Lokal Mönnighoff an der Jägerstraße in Linden gründeten die Anwesenden an diesem Tag die DLRG Ortsgruppe Linden-Dahlhausen.








